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0 bemerkungen koenig Ausflugsziel

Die Nonnenfelsen

Neben Oybin sind die Nonnenfelsen (536 m) bei Jonsdorf e meistbesuchten Fremdenverkehrsstätten der südlichen Oberlausitz. Auch wir erwählten sie nun .als unser Bergziel. Diesmal jedoch fahren wir von Zittau über Bertsdorft wo sich e Schmalspurbahn gabelt, nach rechts, nach dem Endpunkt Kurort Jonsdorf. Das sind etwa 13 km schöne Fahrt, und beim Aussteigen haben wir bereits eine Höhe von 451 m (Bahnhof) erreicht. Ein schöner, gepflegter Ort nimmt uns auf, was sofort jeden Besucher erfreut. Schilder zeigen uns den Weg nach den sogenannten Zigeunerstuben, einem entang durch Sandsteinfelsen. Der Name stammt angeblich von Zigeunern, die hier öfters rasteten. Die Zigeunerstuben sind geologisch interessant, weil hier einstmals vulkanisches Material im Sandstein anstand, das doch in Jahrmillionen auswitterte. Der Sandstein blieb stehen, weil durch eisenschüssige Wässer sich Erze an den Wänden absetzten, die den Sandstein widerstandsfähig gemacht haben. Unser Pfad wendet sich in höherer Lage allmählich in südlicher Richtung. Beim Durchqueren von Felsengebieten erinnern wir uns daran, daß hier in diesem Stein und Urwaldgewirr bis tief in das Mittelalter Wölfe, Bären, iele Luchse und Wildkatzen, oben in höchsten Felsenhor-ten. Adler lebten. Wir begegnen keinen Raubtieren, wohl ber an den Wochenenden vielen Besuchern, denn unweit teht das Nonnenfelsen-Gasthaus. Für besonders rüstige Wanderer, die weitere Strecken bevorzugen, sei angegeben, laß man von Zittau aus zu Fuß die Nonnenfelsen in zwei- Nicht weit von den Nonnenfelsen. auch Nonnenklunzen genannt, liegen die berühmten Jonsdorfer Mühlsteinbrüche. Nur wenig können wir hier über sie sagen. Hier mehrten sich vor Jahrmillionen die Durchbrüche vulkanischen Gesteins. begleitet von vulkanischen Gasen, die den benachbarten Sandstein umformten. Es entstanden sogar Sandsteinsäulen. Die Große und die Kleine Orgel sind Zeugen. Auch horizontale Erzbänder, Erzplatten und -schnüre sind zu entdecken, etwa bei den Drei Tischen. Durch all diese Vorgänge ent¬stand hier bester Sandstein zur Herstellung von Mühlstei¬nen. die europäischen Ruf errangen. Man konnte sogar Spezialitäten entwickeln. So Mühlsteine für die Getreide-. Farbstoffherstellung, wie auch für Steinmühlen usw. Ungefähr um die Jahrhundertwende. um 1900, wurden nach Rußland jährlich etwa 1 000 Mühlsteine versandt. Die letzten Mühlsteine wurden noch 1915 gebrochen. Bei unserem Spaziergang durch die Mühlsteinbrüche entdecken wir auch ein niedliches Häuschen. die Steenbruchsschmiede, die nach dem zweiten Weltkrieg fast verfallen war, aber durch die tatkräftige Hilfe von Kulturbundmitgliedern restauriert wurde. Wir müssen schön auf den Wegen bleiben, auch die zahlreichen Wegetafeln und -schilder sowie Wanderzeichen beachten, damit wir uns zwischen den vielen Brüchen, die alle eigene Namen haben, nicht verirren oder gar in einen hineinfallen. Die Tatsache, daß hier Sandstein säulenförmig ansteht, hat auch den großen Naturforscher Alexander von Humboldt interessiert. Im Gegensatz zu früher vielfach geäußerten Ansichten wissen wir heute. daß der Gelehrte zwar nicht selbst in den Mühlsteinbrüchen war, wie einst behaup¬tet wurde, er aber 1852 einen Maler und zwei Geognosten beauftragte. diese Säulen zu untersuchen und zu malen. Heute erinnert noch ein Humboldtfelsen inmitten der Mühl¬steinbrüche an diesen großen Forscher. Der Tierfreund hat in dem Felsengebiet die seltene Gelegenheit. einen Uhu zu beobachten. Jonsdorf ist noch relativ jung. Um 1500 stand hier nur ein Vorwerk der Ovbiner Mönche. Doch 1539 konnten sich zehn Gärtner ansiedeln, was besagt, daß ihr Grundstück nur klein war. Der Ortsname stammt von einem Klostervogt. damals auch Schaffer genannt, der Jonas hieß. Bekannt wurde der Ort erstmals in weiteren Gegenden durch die am 15. Mai 1842 durch den Arzt K. Ch. G. Linke eröffnete Kaltwasser-heilanstalt, wo nach Methoden von Kneipp und Prießnitz Gesundheit vermittelt werden sollte. 1893 eröffnete der Südlausitzer Verband der Gewerkschaften in Jonsdorf ein Gene¬sungsheim für Lungenkranke. Aus dieser Gegend kam, außer besten Mühlsteinen. aber noch eine weitere Attraktion, die leider bis heute Geheimnis blieb. In Neu Jonsdorf, das erst 1667 gegründet wurde, besaß vor etwa 230 Jahren ein gewisser Gottfried Weber ein großes Gelände, wo er eine Baumschule mit 5 500 Bäumen anlegte. Er verstand seine gärtnerische Tätigkeit so gut, daß er wagen¬weise nicht nur in Deutschland, sondern auch in Polen, vor allem in Warschau, seine Bäumchen und Sträucher verkau¬fen konnte. Er hat eine Methode ausgearbeitet, das Reifen der Kirschen bis Ende Oktober aufzuhalten. Berittene Son¬derkuriere des sächsischen Hofes in Dresden holten sie, und so waren die sächsischen Herrscher die einzigen auf der Welt, die ausländischen Fürsten, Diplomaten, aber auch ihren Mätressen zu dieser Jahreszeit frische Kirschen sen'ie-ren lassen konnten. Viele seiner gärtnerischen Erfahrungen schrieb Weber in einem Obstbaubüchlein auf. all sein Wis¬sen eab er seinem Sohn weiter, aber das Geheimnis der Ok¬toberkirschen nahm er mit ins Grab. Schadet Zu einer Zeit, wo es noch keinerlei Konservierung von Früchten bei uns gab. war dies um so höher zu bewerten. einhalb Stunden, von der Lausche 'und von Oybin aus in etwa eineinhalb Stunden erreicht. »Eine köstliche Aussicht und ein gewaltiges Echo«, so schrieb Dr. Alfred Moschkau schon 1890 im »Gebirgs-freund«, erwartet uns oben auf dem obersten Aussichtspla-teau. Sehr schön präsentiert sich, nachdem wir über ein Brückchen zum Gipfel emporgestiegen sind. der Kurort Jonsdorf samt seinen umgebenden Bärgen. Man sieht die Görlitzer Landeskrone, Teile des Isergebirges, den Hochwald, den spitzen Kleis, die Lausche und unter uns die sogenannte Gondelfahrt, um nur einiges zu nennen. Wer allerdings vor 200 Jahren in dieser Gegend' weihe, konnte kaum solche Bergaussichten genießen, denn die Nonnenfelsen wa¬ren für Frauen und ältere Männer so gut wie gar nicht zu ersteigen. Nur jüngeren Männern gelang dies mit großer Anstreneung. Wer am Gipfel steht, der sieht keine Nonnen, und der Fremde fragt sich. warum die Feisengruppe diesen Namen trägt. Befand sich etwa hier einmal ein Frauenkloster, lag in dieser einstmaligen Abgeschiedenheit eine einsame Kar-tause? Nein, das eab es hier nicht. Wer aber etwas entfernter von den Felsen steht, etwa am 1879/80 geschaffenen Gon-delteich, auch vor der gegenüberliegenden Ausflugsgaststätte »Zur Gondelfahrt«. der erkennt bei ein wenig Phantasie mehrere »Nonnen« mit ihrem Umhang Der Zittauer Geschichtsforscher Dr. Ch. A. Pescheck, ein gebürtiger Ionsdor-fer, hat sie schon 1791, auch 1821 beschrieben und 1833 poetisch verherrlicht. Aber nicht Männer der 'Wissenschaft oder der damaligen Obrigkeit waren es, die dieses Bergfel-sengebiet »besuchsreif« machten. Vor etwas mehr als 200 Jahren, 1787, wurde im allerhöchsten Dorf der Oberlausitz, in Hain bei Oybin. Johann Fried¬rich Seidel geboren. Er blieb als einfacher Kammstricker, der seit 1825 in Jonsdorf wohnte, ein Leben lang arm. Materielle Freuden blieben ihm versagt, und deshalb widmete sich der ohnehin Naturbegeisterte mehr und mehr den 'Schönheiten seiner Heimat. Es blieb aber nicht nur beim Genießen, sondem seine Liebe zur Natur zwang ihn zu tätigem, verschö-nerndem Handeln. Buchstäblich nur mit Hacke, Schaufel und Brecheisen ausgestattet, ein wenig Brot und Käse in der Tasche, begann er ab 1846 die kräftezehrende Arbeit. Sein Ziel war, zum Nonnenfelsengipfel leicht begehbare Gänge, Ausschauplateaus, Brücken, ja ganze Felsengassen auszu¬hauen bzw. zu bauen. Auch die ersten Hinweistafeln stellte er auf oder brachte sie an. Manches kostete natürlich Geld, und es war auch für uns Glück, daß sich ein zweiter Naturbegei¬sterter fand, der Seidel finanziell unterstützen konnte, gewissermaßen ein seltener Gönner in einer damals armen Weberortschaft. Es war der Müller Sussig, der den Fleißigen wacker mit seinen Mitteln und Beziehungen unterstützte. Geehrt von seinen Dorfnachbarn, die sahen, wie Seidel wirklich jede freie Stunde den Nonnenfelsen und der Umgebung widmete, blie¬ben auch Ehrungen durch die Behörden nicht aus. Im Alter verzog dieser Pionier der Oberlausitzer Landschaftsgestaltung nach Oybin, wo er 78jährig 1865 starb. Vieles war noch zu verbessern, und glücklicherweise fand sich erneut ein begeisterter Freund der Natur, der Seidels Werk fortsetzte. Im Jahre 1858 begann der junge Weber Karl Gotthelf Buttig mit zusätzlichen Erschließungs- und Zugangsarbeiten. Schon während er hackte, schaufelte, Steine brach, sich an kleinen Feuern in kalten Monaten die Hände wärmte, fragten ihn immer mehr und mehr ankommende Besucher, wo man essen und trinken könne. Dies brachte Buttig auf die Idee, am Nonnenfelsengipfel eine kleine Gaststätte zu bauen. Bald erhielt er die Genehmigung zum Baudenbau, und er selbst wurde ein beliebter, allzeit freundlicher und aufmerksamer Gastwirt der zu Pfingsten 1860 eröffneten Gaststätte. Leider wurde die gesamte Anlage auf dem klei- nen, teils natürlich, teils künstlich geschaffenen Felsplateau 1902 das Opfer eines Schadenfeuers. Bald wurde der fol-gende Neubau wieder zu dem beliebten Ausflugsziel der zahlreichen Urlauber, Reisegruppen und Natur- und Bergfreunde.