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0 bemerkungen koenig Ausflugsziel, schöne Aussicht

Die Lausche

Sie ist die Königin der Oberlausitzer Berge, die Freude aller Bergfreunde und der Stolz der Ostsachsen, die 793 m hohe Lausche im Zittauer Gebirge. Gut ausgeruht fahren wir nach Waltersdorf. Wir stapfen die steile Hauptstraße empor in Richtung Süden. Waltersdorf besitzt alte, schöne Fachwerk- und Umgebindehäuser, vor allem aber kunstvolle Portale, wie sie in dieser Zahl in keinem anderen Oberlausitzer Ort vorhanden sind. Wir streben hinauf zum Bergsattel, zur »Wache«, wo wir den Wald erreichen, der nach Böhmen abfällt. Nun stehen wir schon in 570 m Höhe. Der Blick zurück ist entzückend, der nach rechts im Sommer wegen herrlich grüner Matten idyllisch. Im Winter sind die Hänge bevölkert von zahlreichen Wintersportlern. Hier liegen die steilsten und längsten Skihänge der Oberlausitz, die alpine Technik erfordern. Ein Skilift ist ebenfalls vorhanden. Bis zum Gipfel haben wir, nun rechts gehend, noch 220 m auf Serpentinen zu ersteigen. Wir entdecken sogleich links ziegelrote Erde, die verwitterter Basalttuff ist. Dem botanisch Interessierten sei bei einem abendlichen, schon bei Düsternis unternommenen Anstieg Aufmerksamkeit für das Leuchtmoos geraten. Es kommt an den Wegböschungen in etwa 600 bis 750 m Höhe vor, wo man es erstmals 1926 entdeckte. Zu beachten ist auch, daß unten am Berg schöner Mischwald steht, in den oberen Hangzonen aber immer stärker die Buche dominiert. In der Gipfellage herrscht die Rotbuche, deren Äste oft verbogen, zerzaust und auch abgebrochen sind. Traumhaft schön sind die Bäume, wenn ihnen zwölf bis fast zwanzig Zentimeter dicker Rauhreif anhaftet. Nun lassen wir den Historiker sprechen. Ein Traum des »alten Matthes« soll der Grund gewesen sein, daß er schon 1823 den Serpentinenweg anlegte und am Gipfel eine Holz-bude errichtete. Sprunghaft stieg die Besucherzahl. Böhmi-sche Harfnerinnen sangen, Invaliden spielten Drehorgel-Melodien auf, man trank österreichische Weine, tanzte auf dem Gipfelplateau zu Geigenklängen und konnte auch ein schö¬nes Souvenir mitnehmen, denn seit dem 15. Mai 1831 verkaufte der böhmische Glaswarenhändler Ignaz Krische aus Steinschönau schöne, preiswerte Glaswaren. Er konnte sogar als alter Mann noch am 15. Mai 1881 sein 50jähriges Gipfeljubiläum feiern. 1825 legte Gastwirt Karl-Friedrich Matthes einen Kegelschub an, 1830 einen Tanzplatz. Am Gipfel tra¬fen sich aber auch Mitglieder einer Freikirche, für die ein gewisser Czersky aus Schneidemühl (ehemals Westpreußen) am 30. Juni 1864 und 3. Juli 1867 Bergpredigten hielt. 1892 erbaute »Vater Weilen« eine modernere Berggaststätte, aber auch durch sie verlief im Hausflur die deutsche und österrei¬chische Grenze. In der sächsischen Gaststube konnte man »Zittauer«, in der österreichischen »Zwickauer« Bier trinken. Um den Blick über hohe Baumwipfel zu ermöglichen, wurde gleichzeitig ein zehn Meter hoher Holzaussichtsturm errichtet. Am 8. Januar 1946 wurden Baude und Turm Opfer eines Feuers, seitdem gibt es keine Bewirtung. Pläne für eine neue Lauschebaude wurden erarbeitet, kamen aber nie zur Ausführung, weil die Lauschekuppe seit 1967 unter Natur-schutz steht. Der Berg hatte früher andere Namen. 1538 nennt ihn ein Waltersdorfer Kirchenbuch Spitzer Stein. Der Mont Blanc der Oberlausitz, wie er von Bergbegeisterten auch genannt wird, hieß früher auch Spitzberg, Mittagstein und Hikkelstein.. Letztgenannter ist aber eine Nebenkuppe, die heute noch so genannt wird. Erst seit 1631 trägt er seinen jetzigen Namen, der zwei Deutungen hat. Er soll sich von dem Begriff luschen (auf Wild lauern, im Verborgenen liegen) ableiten. Die zweite Namenserklärung leitet sich vom alttschechi-sehen Begriff »louce« ab, was Scheide, Trennung oder • Grenze bedeutet. Dies erscheint uns als richtige Erklärung, zumal hier immer Grenzgebiet war. Am Lausche-Nordhang entstand ein Wintersportparadies. Waltersdorfer Kinder waren mit ihren »Käsehitschen« die allerersten auf den Schneehängen. 1898 richtete der ge¬nannte Lauschewirt nach dem Vorbild aus dem Riesengebirge sogenannte Hörnerschlittenfahrten ein. Nach dem er¬sten Weltkrieg gab es hier keinen Skisport, denn »die Hänge sind zu steil«, hieß es. Norwegische Studenten, die aus Dresden hierher kamen. »brettelten« jedoch schon darauf herum, sie kannten schon den »Telemark«, den »Christiania« usw.. und bald folgten die Einheimischen. Als 1923 die erste Schanze gebaut wurde, kamen immer mehr Wintersportler. Schon in den dreißiger Jahren waren sonntags die Hänge mit Skiläufern übersät. Auch der allgemeine Tourismus wuchs sprunghaft. Es gibt richtige' Lausche-Fanatiker, die alljährlich fünfzigmal den Berg besteigen. Einer tat es im Jahre 1927 sogar 122mal. In den fünfziger Jahren jedoch lebte in Waltersdorf ein Mann, der noch nie auf dem Gipfel der Lausche war. Der älteste Besucher, den es bis jetzt auf der Lausche gab, war eine über 101 Jahre alte Frau Pech, die in Begleitung von zwei Urenkeln und jungen Nachbarsleuten am 4. August 1934 in viereinhalb .Stunden, vom Waltersdor-fer Ortsteil Herrenwalde kommend, aufstieg und oben ein achtstrophiges Heimatlied voller Ergriffenheit sang.

• Hier haben Wald- und sonstige Arbeiter dem sächsischen Kronprinz und späteren König Friedrich August auch eine schöne Abfuhr erteilt: In Begleitung eines Oberförsters war er zur Jagd auf die Lausche gekommen. Dies erfuhr der Bergwirt, der rasch eine bengalische Beleuchtung, ein Bunt-feuer, zur Begrüßung des hohen Gastes inszenieren wollte und einige Leute aus den Nachbarorten damit beauftragte. Sie sollten an einer Nebenhöhe, am Abhang des Sonnenberges, das Feuer entfachen, wofür sie Freibier.sofort erhielten. Der Oberförster mußte Majestät: so lange hinhalten und erzählte Geschichten. bald wußte ei nichts mehr und fing zu dichten an, aber noch immer geschah nichts. Ein Bote des Wirtes klärte alles: Die »Buntfeuer-Männer« hatten sich statt für »Hoheit« mehr für das Bier interessiert und schliefen im Berggras ihren Rausch aus. Noch um die letzte Weebiegung nach links, und wir sind oben. Zunächst muß man die Augen schließen, so überwälti-gend ist die Rundsicht. Schlagartig kann das Auge, das Ge-hirn nicht all die Eindrücke dieser Pracht fassen. Im Norden dämmert im blauen Dunst die Ebene, im Südosten springt uns fast die Schneekoppe an und im Westen zeigt sich das Erzgebirge. Aber nun beginnen wir zu »sortieren«. Das Rie-sengebirge zeigt sich mit dem Reifträger, dem Hohen Rad, den Elbwiesen und der Schneekoppe mit Kapelle. Es folgt rechter Hand der lsergebirgskamm mit Tafelfichte und den Vogelkuppeh, die Gegend von Semily und Jißin. Gabel, Roll, Hirschberg, Dewin, Kamnitzer Schloßberg, der doppelgipfe-lige Bösig, der, Leipaer Spitzberg, der Bürgstein, der Kleis. Höhen des Erz- und sogar des Fichtelgebirges und Hunderte Berge dazwischen und in der Oberlausitz. Ebenso zahlreich sind die Orte. Zu beneiden sind jene Bergfreunde, die das Glück hatten, bei völlig klarer Sicht sogar die Hügel hinter Prag, aber ganz deutlich die Prager Burg mit dem Veitsdom mit einem guten Fernglas zu sehen. Auch Mölnik erblickt man öfter. Alte Bergfreunde und Bergsteiger versichern, daß auch die Aus-sicht vom Brocken, der Schneekoppe und dem Milleschauer nicht überwältigender ist, wie auch ich mich mehrfach davon überzeugen konnte. Ist auf der Lausche noch eine Erlebnis-steigerung möglich? Sie ist es. Wer im Sommer an schönen Tagen des Nachts zwei Uhr den Berg besteigt und am Gipfel den Sonnenaufgang erwartet, dem bietet sich bald ein gewal-tiges Riesenpastellgemälde. Als wären sämtliche Farbenkästen und -paletten der Welt über den Himmel und über Berge, Täler, Wälder und Orte ausgeschüttet. mutet das zu Sehende an. Ein Erlebnis einmaliger Art. Aus diesem Grunde haben schon früher viele Bergbesucher in der Berg¬baude übernachtet. Die überschaubare Fläche hat die Größe der Hälfte des Freistaates Sachsen. Beim Abstieg kommen uns so manche Gedanken. 1839 schrieb ein gewisser Adalbert Schiffner in der für damalige Zeit wissenschaftlichen Veröffentlichungsmöglichkeit, im »Lausitzer Magazin«, daß er sogar das 380 km entfernte Dachstein-Gebirge gesehen haben will. Wir zweifeln daran, doch ist es möglich, daß er vielleicht eine seltene Luftspiegelung erblicken konnte. Der Lausche dominierende Lage hat auch die Deutsche Post ausgenutzt und am Berg einen Fern-sehumsetzer errichtet. Den Tierfreund interessiert, daß man am westlichen Berghang oft gutgeformte Muschelabdrücke im Sandstein findet, den Botaniker außer dem Leuchtmoos noch mehrere alpine Pflanzenarten. Wer kennt noch den op¬tischen Telegraphen, der auf der Lausche seit 1808/1810 stand und nur für Staatsnachrichten benutzt werden durfte? Daran hielten sich gewinnsüchtige Spieler des »Böhmischen Lottos« nicht und benutzten ihn zum Nummernschlagen, wodurch sie von Böhmen Gewinnummern übermittelt erhielten, die sie in der Oberlausitz noch setzen konnten. Et-was Ähnliches kennen wir auch aus Schirgiswalde. Wer vom Berg herunterkommt, ist müde. In einer der vielen, schönen und gemütlichen Gaststätten in Waltersdorf stärken wir uns vor der Heimfahrt, auf die wir unvergeßliche Landschaftsbilder von unserer Wanderung auf die Lausche mitnehmen.