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0 bemerkungen koenig Ausflugsziel, schöne Aussicht

Der Töpfer

Zahlreich sind in Oybin die Wegweiser. Wir suchen auf der schönen Kurortpromenade das Schild, worauf Scharfenstein steht. Unterwegs gibt es schon viel zu sehen, doch wir wollen uns das Berggebiet rund um den Töpfer (580 in) anschauen, eine vielbesuchte Tourismusstätte. Bei der scharfkantigen Sandsteinpyramide Scharfenstein (570 m), auch Oberlausitzer Matterhorn genannt, angekommen, steigen wir zunächst auf diesen Gipfel, der schon ein weites Panorama bietet. Der Aufstieg ist gefahrlos durch eine Treppe. Nach unserem Abstieg entscheiden wir uns für die Kleine Felsengasse. Doch jetzt aufpassen, sich nicht im Felsengewirr verirren, sondern auf dem Weg bleiben und das Wegzeichen beachten. Es fallen große Felswände auf, die über und über mit einem Gitterwerk von Wabenmustem bedeckt sind. Aus dem Sand¬stein wittern einige Bestandteile aus. Dadurch entstehen diese wunderlichen Muster. Wir entdecken auch Ausblühun-gen von Gips, Alaun, Kalk, Eisen (Rotbraunfärbung) und Mangan. Wenn wir auf die Wegetafel »Zur böhmischen Aussicht« stoßen, wenden wir uns zu einer kleinen Felsenkanzel, die wir in zwei bis vier Minuten erreichen. Von hier aus ergibt sich die schönste Aussicht des Töpfergebietes in das böhmische Land. Unermeßlich weite Wälder liegen vor uns, und dahinter erheben sich der Jeschken und das Isergebirge. Wir gehen wieder zurück und kommen bald an ein Felsgebilde, das wie eine sitzende Henne aussieht und auch den Namen Brütende Henne trägt. Hier oben hat die ewig schaffende, umformende Natur auch den Papagei, die Schildkröte, das Küken und viele andere merkwürdige Gestalten geschaffen. Zu allen führen uns Wegweiser. Wir bleiben am Hauptweg und kommen bald an das Töpfer-Berggasthaus. In unmittelbarer Nähe ragt das Felsentor auf, das zwei riesigen Urnen oder Riesenkelchen ähnlich sieht und wahrscheinlich diesem Berg Töpfer den Namen gab. Auch hier führt eine durch Geländer gesicherte Treppe zum Aussichtspunkt hinauf. Der Berg, der in einer Mönchsschrift von Oybin »Tepper« genannt wird, war, wie der Totenstein im Königshainer Ge-birge, in prähistorischer Zeit eine Kultstätte gewesen, die Urnenfunde beweisen dies. Schon frühzeitig hat der Töpfer auch das Interesse von Wissenschaftlern erregt. 1782 besuchte ihn auch Professor Leske aus Leipzig, über dessen Oberlausitzreise in anderen, früheren Bergbesprechungen berichtet wurde. 1860 hat der Gründer des Oybin-Museums, der gleichzeitig der erste Philatelist Deutschlands war, den ersten Töpferführer veröffentlicht. Anlaß hierzu war, daß im selben Jahre die Bergbaude errichtet wurde. Beides führte zu überaus zahlreichem Besuch in jenen Jahren. Aber schon früher war dieser Berg beliebt. Nachdem im Jahre 1831 Sachsen eine Verfassung erhalten hatte, wollte man zu diesem Fortschritt eine sogenannte Konstitutionssäule als steinerne Erinnerung für kommende Geschlechter erbauen. Sie sollte zunächst auf dem Töpfer aufgestellt werden, was zeigt, daß dieser Berg schon sehr angesehen war. Schließlich errichtete man sie aber 1832 in Zittau, wo sie heute noch gegenüber der Post steht. Schon vor dem Gasthausbau wurde der Berg viel in der Oster- und Pfingstzeit besucht. Wir können noch heute ver-stehen, daß in dem Felsgewirr die Orientierung nicht leicht war, weshalb auch Bergführer angeheuert wurden. Einer von ihnen war gewissermaßen ein Gastwirtsvorläufer, denn er hatte in der später verbauten Opfergrotte eine einfache Kochgelegenheit geschaffen, so daß zumindest Kaffee und Tee angeboten werden konnten. Allmählich aber wurde die Selbstorientierung ermöglicht, weil genannter Gebirgsverein die Aufstellung von Wegetafeln betrieb Der Töpfer hatte solchen Zuspruch, daß schon 1876 die Baude aufgestockt werden mußte. Dadurch wurden auch Übernachtungen möglich. Auch kulturell gesehen ist der Töpfer in der Oberlausitzer Geschichte besonders zu würdi-gen. Hier fand am 14.Mai 1899 eine vom Gebirgsverein »Globus« veranstaltete Aufführung statt. Sie war die erste auf einer Oberlausitzer Freilichtbühne. Die am Plateau befindliche Felsenbühne war als Töpferwerkstatt hergerichtet, wo der Töpfer seine Freunde, den Hochwald, die Lausche, den Scharfenstein und den Oybin, empfing. Zu den zwei Verfassern des Stückes gehörte der damals in Zittau wirkende Lehrer August Matthes, der aus Wehrsdorf (dort befindet sich seine Gedenktafel am Geburtshaus) stammte. Unter seinem volkstümlichen Pseudonym Bihms Koarle gilt er noch heute als eine: der Besten in der Oberlausitzer Heimatliteratur. Die über 2 000 Zuschauer hörten hier auch zum ersten Male das bekannte Oberlausitzlied »Heimatland, dir gilt mein Gruß!«. Im Jahre 1903 schlug ein Blitz in die Töpferbaude ein und setzte sie in Brand. Man sprach aber auch von Brandstiftung. An gleicher Stelle entstand schon ein Jahr später die neue Baude, so wie wir sie heute kennen. Auch beim Baudenbau hatte man dazugelernt. Die ersten sahen noch mehr Bunkern ähnlich mit dicken Mauern, hier aber wurde so gebaut, daß große Fensterfronten günstige Aussichten boten. Es gab buntgemischte Bergbesucher. Am 10.Juli 1859, als noch keine Bergbaude bestand, fanden sich auf Einladung des Olbersdorfer Gesangvereins »Liederkranz« 18 gleichaltrige Vereine aus der Lausitz und aus Nordböhmen ein. Dieses Bergtreffen war ein Erfolg, organisatorisch auf alle Fälle, denn manche heutigen Eisenbahnlinien gab es überhaupt noch nicht (nur die Strecke Dresden  Görlitz ab 1846/47). Was fehlte, war die Bewirtung. Das war der eigentliche An-stoß zum obengenannten Baudenbau. Am 29. Juli 1859 hat der Olbersdorfer Gemeinderat dem fortschrittlichen Bürger-meister Haberkom in Zittau die Bitte um den Bau eines kleinen Berghäuschens samt Bewirtung. vorgetragen, die genehmigt wurde. Im Frühjahr 1860 wär Baubeginn. Der erste Bergwirt hieß Nentwig, der bereits am 15. Juli gleichen Jahres mit einem Festkonzert die Gaststätte eröffnen konnte. 1861 wurde der Saalbau erweitert. 1369 wurde dieser Berg von Kaiser Karl IV. neben weite-ren neun Bergen den Cölestiner Mönchen am Oybin ge-schenkt. 1574 erwarb ihn die Stadt Zittau. In dem schon ein¬gangs erwähnten unübersichtlichen und schwer zugänglichen Felsgewirr versammelten sich nach der bürgerlichen Revolution 1848/49 Angehörige des-Bundes freier religiöser Gemeinden Deutschlands, deren Wirken in Sachsen verbo-ten war. Er hatte sich 1859 aus der Vereinigung der deutsch-katholischen und der freien Gemeinden gebildet. Die mei-sten Zusammenkünfte fanden im Zeitraum 1862 bis 1870 statt. Aus diesen religiösen Gruppierunger, entstand teil¬weise auch die Freidenkerbewegung. Vom Felsentor, wo eine Orientierungstafel mit Orts- und Kilometerangaben Auskunft gibt, übebchauen wir den etwa 6 km breiten Waldgürtel zwischen der.Oberlausitz und Nordböhmen. Das ist nur noch ein Zehntel Breite gegenüber der Zeit der letzten Jahrtausendwende, wo hier etwa 60 km brei¬ter Wald lag. Bis zum ersten Weltkrieg haben in diesem Gebiet die sächsischen Könige und ihr Anhang große Jagden auf Birk- und Auerhühner veranstaltet. Hier bestand das größte Vorkommen dieser Vogelarten in Sachsen. Leider wurden diese Tierarten dadurch fast ganz ausgerottet. Der Naturfreund findet mit Glück und nach vielem Suchen auch am Töpfer in etwa 550 m Höhe Leuchtmoose. Nachdem wir zum Riesen- und Isergebirge hinübergese-hen und uns gestärkt haben, begeben wir uns auf anderem Weg zum Rückmarsch. Unser Weg beginnt nur wenige Me-ter südlich der Gaststätte und biegt, Vorbei an einem Brun-nen, bald nach rechts ab. Wir gehen durch mehrere Wegwindungen und kommen schließlich zur sogenannten Oybin-Aussicht. Wir blicken hinab ins Tal, wo die Schmalspurbahn fährt. Auch groteske Felsbildungen fangen unsere Augen ein. Beim Weitergehen erreichen wir dann die Gratzerhöh-len, wildes Gewirr von großen und kleinen Sandsteinplatten, jedoch keine eigentliche Höhle. Der Weg fällt ständig ab und mündet schließlich bei der Teufelsmühle, die nur noch 370 m hoch liegt. Vom Töpfergasthaus bis hierher sind wir talabwärts in etwa einer Dreiviertelstunde rund 51cm gelau-fen. Bis 1834 hieß die Mühle Einsiedlermühle, die aus der Zeit der Cölestiner Mönche stammt. An ihr endet unsere schöne Wanderung, auf der noch viele Naturschönheiten zu sehen sind.