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0 bemerkungen koenig Ausflugsziel, schöne Aussicht

Der Hochwald

Im Südostzipfel Sachsens finden wir die höchsten Berge der Oberlausitz. Zunächst steigen wir in Zittau in die seit 1890 fahrende Schmalspurbahn nach Oybin um. So sehr uns der bienenkorbähnliche Berg Oybin lockt, streben wir aus dem Talkessel zunächst zum Ortsteil Hain, den wir zu Fuß in etwa 40 Minuten (3,5 km) erreichen. Dort, an der Grenze zur CSFR, befinden wir uns in 550 m Durchschnittshöhe im höchsteelegenen Dörfchen der Ober-lausitz. An der Grenze überragt der 606 m hohe Johannis-stein das Dorf Drei Wege führen südlich vom Dorf zum Hochwald (749m), dem zweithöchsten Berg der Oberlausitz. Es geht steil bergan. Die erste Möglichkeit ist der Ulmensteinweg am Ortseingang. Dort, wo die Jonsdorfer Straße in Hain mündet, beginnt der Rodelbahn-Weg, der kürzeste Pfad zum Gipfel. Am Dorfende bietet sich der Hochwaldweg an. Erwachsene müssen mit einer Stunde Aufstieg rechnen. Am steilsten ist der sogenannte Telefonweg, immer an den Telefonmasten und -leitungen entlang. In etwa 670 m Höhe ist Phonolith dem Sandstein aufgesetzt. In dieser Höhe, zwischen beiden Gesteinen, fließen mehrere Quellen. Am Talfuß sehen wir noch Mischwald, doch zum Gipfel zu wird der Fichtenbestand immer dichter. Schon in alten Zeiten war der Hochwald ein vielbesuchter Aussichtspunkt. 1787 ließ der Ratsherr Hering aus Zittau 84 Stufen zum obersten Bergplateau anlegen. Danach wurde am Gipfel ein riesiges Kruzifix aufgestellt, das 1834 noch stand und dem Gipfel den Namen Kreuzstein gab. Über den Gipfel verlief einst die deutsch-österreichische Grenze. Heute gehört eine Gipfelhälfte der CSFR. Bis 1855 erhob sich auf ihr eine von österreichischen Ingenieuren errichtete Holzbalken-Pyramide. 1853 hatte der erste Bauden-wirt Marx ein Gasthaus bauen lassen. Am 1.August 1877 je-doch glaubten die Einwohner der umliegenden Dörfer, daß der Hochwald wieder zum Vulkan geworden sei, so loderten die Flammen. Das Gasthaus brannte. Aber schon im nächsten Jahr entstand, wieder auf österrei¬chischem Grund, eine neue Baude. Außer den zwei großfen¬strigen Gasträumen enthielt sie mehrere Fremdenzimmer. Dadurch, daß der sächsische Wirt auf österreichischem Boden arbeitete, ergaben sich für ihn Ärgernisse. Deshalb ließ er 1888 kurzerhand ein zweites Gasthaus auf sächsischem Grund erbauen. Das ältere war nur noch »Österreichische Weinstube«. Zwischenzeitlich hatte der Zittauer Gebirgsverein »Globus« einen Aussichtsturm errichtet. Die Einweihung des »Carola-Thurms« fand unter »enormen Menschenzulaufs« statt, so der Chronist am 3. September 1879. Vier Treppen zu je zehn Stufen führten hinauf Auch die neue Gaststätte brannte nieder. Am 23. April 1938 stieg eine gewaltige Feuersäule auf Danach wurde die Gaststätte wieder aufgebaut. Die Einweihungsfeier im Juni 1938 wurde vom Rundfunk übertragen. Der Aussichtsturm aus Holz brannte 1884 durch Blitz-schlag. Der Gebirgsverein begann Geld für einen steinernen Aussichtsturm zu sammeln. Da aber nur 8 000 Mark zusam-menkamen, wurden benachbarte Gebirgsvereine um Unterstützung gebeten. Vereine aus Oybin, Jonsdorf, Reichenau, Großschönau und Herwigsdorf sammelten. So konnten rund 13 000 Mark aufgebracht werden. Um Transportkosten zu sparen, brach man die Steine am Berg. Der Bruch ist heute noch zu sehen. Der Turm auf dem Hochwald erhielt das Aussehen eines Leuchtturmes. Er war 33 Meter hoch, hat 136 Stufen und wurde am 14. September 1892 der Öffentlichkeit übergeben. Am Aussichtsturm befindet sich auch eine gemütliche Turmbaude. In jenen Tagen begann der Streit, ob die Lausche oder der Hochwald die schönste Bergaussicht der Oberlausitz bietet. Wir können uns nur dem anschließen, was ein Weitgereister in das Gästebuch schrieb: »Ihr Lausitzer, seid froh, daß ihr zwei solche prächtige Berge habt!« Die Aussicht von der Lausche ist gewaltiger, die vom Hochwald vielseitiger, vor allem, was den Blick über Nordböhmen betrifft. Ohne den Leser ermüden zu wollen, müssen viele Aussichtspunkte aufgezählt werden. Beginnen wir im Osten: Am Horizont liegen das Riesengebirge mit der Schneekoppe, das Isergebirge mit der Tafelfichte, der Jeschken mit seinen Ausläufern im Südosten. Wir sehen den böhmischen Doppelberg Trosky, der auf beiden Gipfeln ein Schloß hat. Unser Blick erfaßt auch das Isersandsteingebirge zwischen Turnau und München-grätz. die Burg Dewin am Hammersee und vor allem den · Rip, Geltschberg oder Georgenberg bei Raudnitz. Dann erblicken wir den Doppelberg Bösig mit Schloß und Kloster-. ruine, den Roll mit Ruine, den spitzen Kleis. Dann ragt schon der Milleschauer empor, den Alexander von Humboldt zu den vier schönsten Aussichtsbergen der Welt zählte. Man sieht weiter alle Oberlausitzer Bergketten und Einzelberge.

Etwa 50 000 Menschen besuchen jährlich den Hochwald. Bei winterlichen Hochdruckwetterlagen kommen hier solche Luftmassenschichten vor, daß es am Berg 15 Grad (!) wärmer als in den Tälern ringsum ist. Unten wogt dann Nebel, und oben herrscht eine wunderbare Fernsicht. Wer so einen Tag erlebt, kann sich gratulieren. Natürlich muß man schon hö¬ren, was die Meteorologen vorhersagen. Bis 1369 gehörte der Hochwald zur Burg Oybin. Im glei-chen Jahr schenkte Kaiser Karl IV. den Berg den Cölestiner-Mönchen. 1552 stritten sich die Mönche mit dem Herrn von Leipa, einem böhmischen Großfeudalen, um Berg und Wäl¬der. 1574 kaufte die Stadt Zittau den Oybin, aber am 2. Au¬gust 1604 machte die böhmische Adlige Berka von der Duba auf Reichstadt der Stadt Zittau den Besitz streitig. So wurde eine Grenze festgelegt. Im 17. und 18. Jahrhundert wollten einige Leute Gold bzw. Edelsteine gefunden haben. Wie im Valtenberggebiet, tauchten venezianische Schatzgräber auf, sogenannte Walen. An der nordwestlichen Berglehne, dem Dorfe Hain zu, gab es einen Walenstein mit geheimnisvollen Zeichen. Ab 14. September 1782 forschte Professor Gleiß im Auftrag der sächsischen Regierung intensiv nach. Über das Ergebnis wurde nichtsbekannt. Dem botanisch Interessierten bietet der Hochwald etwas Interessantes, das Leuchtmoos. Viele Sagen berichten von blinkendem Schein in Stein- und Erdspalten der Berge. Am hellichten Tag entpuppte sich der leuchtende Schatz als Lehmklümpchen. Heute weiß der Fachbotaniker, daß als leuchtende Stelle die algenartig verzweigten Vorkeime des Leuchtmooses gesehen wurden. Ihr geringes Lichtbedürfnis ermöglicht das Gedeihen in Erdhöhlen, Felsklüften und unter Steinblöcken. Das Leuchtmoos, das ständig feuchte, aber nicht nasse Böden braucht, ist im Raum um Hochwald und Lausche keine Seltenheit und zeigt den montanen Charakter der Felsflora. Schon 1926 wurde Leuchtmoos an den Böschungen des Hochwaldes am Weg nach den Felsengassen in rund 630 Meter Höhe gefunden. 1938 wurde eine andere Stelle in 540 Meter Höhe am Floßbergweg entdeckt, um nur zwei Fundstellen zu nennen. Nachdem wir uns in der Bergbaude, die nach drei Seiten Aussicht bietet, gestärkt haben, beginnen wir den Abstieg. Unterwegs stellen wir uns vor, wie vor rund 135 Millionen Jahren ein Meer in dieser Gegend eisen- und kalkhaltigen, mit Quarzteilen, Schnecken und Muscheln vermischten Sandstein abgesetzt hat. Wind und Wasser haben überall die Felsen zu Quadern zersägt. Vor 30 Millionen Jahren durch-brach Lava den Sandstein, wie anderswo in der Oberlausitz den Granit und Basalt. Zurück blieben später die Phonolith-kegel. Natürlich wurde das Hochwald-Terrain auch als Winter¬sportgebiet entdeckt. Wer den Rodelbahnweg abwärts geht, befindet sich auf der 1908/09 geschaffenen sehr steilen Ro¬delbahn, die zwei Kilometer lang ist. Bald sind wir wieder in Hain und treten die Rückreise an